Turbulente Komödie mit Tiefgang

Die Bühne Liestal entführt mit der Komödie "E gschpässigi Frau" in eine Welt, in der Träume und Wünsche ihre Kraft behalten haben und sich gegen die Realität behaupten können - oder zumindest die Realität in Frage stellen.

Thomas Schweizer. Ein neuer Gast erscheint in der psychiatrischen Klinik Villa Waldfrieden. Es ist Frau Wildi, Witwe und Multimillionärin (grossartig gespielt von Sabine Tschäppeler). Sie hat einen Teddybären und auch sonst ein grosses Herz, denn sie will ihr Geld auf ihre eigene Art anlegen: Eine Stiftung gründen für verrückte Ideen und Luftschlösser. Dem wiedersetzen sich natürlich ihre beiden Stiefkinder Lilibell und Samuel, ein Nationalrat, (berechtigt aufdringlich Karin Schweizer und Jürg Schenk) mit Vehemenz.

Sie könnten das Geld, das sie später erben werden, nur allzu gut selber brauchen. In weiser Voraussicht hat die nur vordergründig schrullige Frau Wildi ihre Vermögen in Obligationen angelegt und versteckt. Sie führt die beiden Kinder auf zwei falsche Fährten, was die Verwirrung und Empörung nur noch verstärkt. Die übrigen Gäste der Villa, alle mit einer Macke versehen, also äusserst symphatisch (herrlich gespielt von Brigitte Schnetzer, Tamara Hardmeier-Hulliger, Nadine Schnetzer, Roland Kurz und Adrian Plattner) freunden sich rasch mit Frau Wildi an.

Die Klinikleitung Dr. Freudiger (verständnisvoll Heinz Tschäppeler) und die treue Pflegerin Wilhelmina (einfühlsam Conny Schenk) zeigt viel Menschlichkeit und Mitgefühl für ihre hilfsbedürftigen Gäste, also auch für die neu dazugekommene Frau Wildi.

Aus dieser Situation hat der amerikanische Stückeschreiber und Drehbuchautor John Patrick eine Geschichte mit viel Turbulenz, Humor, Spielwitz, Pointen, aber auch Tiefgang gemacht. Mundartübersetzung von Max Dettwiler. Nie gleitet das Geschehen in billigen Klamauk oder in die sattsam bekannten Mätzchen ab. Auffallend war das sehr disziplinierte und treffende Spiel aller Beteiligten. Man sah: Ein eingespieltes und bewährtes Ensemble war da am Werk. Das gilt auch für das adäquate Bühnenbild von Brigitte Berner.

Aber wo steckt das Geld nun wirklich? Allgemeine Ratlosigkeit. Wurde es etwa während eines kurzen Lichtausfalls, bewusst ausgelöst, gestohlen? Erst ganz zum Schluss erfährt das Publikum die Wahrheit. Überhaupt bildete das Schlussbild den Höhepunkt einer meisterlichen Inszenierung (Manuela Glanzmann). Niemand blieb davon unberührt, und was folgte, waren verdiente Standing Ovations für das gesamte Ensemble, allen voran für die Darstellerin der "gschpässigen Frau" Wildi.